VERSCHWUNDEN UND VERSTORBEN IN BYRON BAY: Der Tod von Tumbulgum John Doe (2012)
Der Tod von Tumbulgum John Doe
Wer kann Tumbulgum John Doe identifizieren?
Wer kann Tumbulgum John Doe identifizieren?
In den kommenden Wochen werde ich zunächst die ersten fünf bis sechs Teile meiner Serie "Verschwunden und Verstorben in Byron Bay" veröffentlichen. Diese Auftaktphase soll einen fundierten Überblick über die Struktur, die Themen und die Dimension der Fälle in der Byron-Bay-Region geben.
Denn jenseits der bekannten Namen umfasst die Region mehr als sechzig Vermisstenfälle, verdächtige Todesfälle und Morddelikte, die bis heute ungeklärt oder nur teilweise aufgearbeitet sind. All diese Fälle sollen im Rahmen der Serie ihren Platz finden – sorgfältig recherchiert, eingeordnet und dokumentiert werden.
Gleichzeitig möchte ich mich in dieser Zeit nicht ausschließlich auf diese eine Serie konzentrieren. Auch andere Fälle und Formate meines Blogs werden weiterhin erscheinen, weil sie Teil desselben Anspruchs sind: Aufmerksamkeit für vergessene Schicksale zu schaffen und offene Fragen sichtbar zu machen.
Nach der Veröffentlichung der ersten fünf bis sechs Teile werde ich die Serie fortsetzen – nicht in einem geschlossenen Block, sondern Schritt für Schritt. So können die einzelnen Fälle die Tiefe und den Raum bekommen, die sie verdienen, während parallel auch andere Schwerpunkte des Blogs weitergeführt werden. Diese Struktur soll es ermöglichen, langfristig dranzubleiben – an Byron Bay und an all den anderen Geschichten, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Aber nun geht es zum dritten Teil der Serie "Verschwunden und Verstorben in Byron Bay".
Byron Bay und die umliegende Region gelten als Sehnsuchtsorte. Surfer, Reisende und Aussteiger kommen hierher, um neu zu beginnen. Doch zwischen Küstennebel, Flussarmen und dichten Mangroven verschwinden nicht nur Träume – manchmal verschwinden Menschen.
„Verschwunden und Verstorben in Byron Bay“ erzählt von jenen, deren Geschichten nie zu Ende erzählt wurden. Von Namen, die aus Akten verschwanden. Von Spuren, die im Sand, im Wasser oder im Schweigen der Behörden verloren gingen.
Der Fall am Tweed River aus dem Jahr 2012 ist einer dieser Fälle. Dieser Fall ist kein abgeschlossenes Kapitel. Er ist eine offene Frage, die seit Jahren durch Mangroven, Ermittlungsakten und Erinnerungen treibt: Was geschah wirklich am Tweed River im November 2012 – und wer war die Person, die dort für immer verschwand?
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| Die Gesichtsrekonstruktion von Tumbulgum John Doe. Wer kann Tumbulgum John Doe identifizieren? Foto: Polizei |
Hinweis:
Dieser Blog dient der journalistischen Aufarbeitung realer Vermisstenfälle, Morddelikte und verdächtiger Todesumstände. Alle Inhalte basieren auf öffentlich zugänglichen Quellen, Medienberichten und offiziellen Angaben.
Die dargestellten Theorien stellen keine Tatsachenbehauptungen dar, sondern dienen der Einordnung ungeklärter Aspekte.
Die Unschuldsvermutung gilt uneingeschränkt. Ziel dieses Blogs ist Erinnerung, Information und kritische Analyse – keine Vorverurteilung oder Sensationalismus.
Der Fall Tumbulgum John Doe
Am Abend des 24. November 2012, kurz vor 19.00 Uhr, machte ein einheimischer Fischer am Ufer des Tweed River nahe der kleinen Ortschaft Tumbulgum eine Entdeckung, die ihn noch Stunden später sichtbar erschüttert zurückließ.
Im Schlamm des Flussufers, nur wenige Meter vom Wasser entfernt, lag eine Tasche – oder ein Sack. Zunächst wirkte der Gegenstand wie achtlos zurückgelassener Müll, ein weiteres Überbleibsel an einem ansonsten ruhigen Flussabschnitt. Erst als der Fischer näher kam und den Fund vorsichtig ein Stück öffnete, erkannte er, was sich darin befand und schreckte zurück. In dem Sack befanden sich menschliche Überreste.
In Panik und unter Schock ließ er den Sack zurück und eilte gegen 19.00 Uhr in den örtlichen Pub [Tumbulgum Tavern] von Tumbulgum. Aufgewühlt berichtete er den Angestellten, dass er eine schlecht verpackte Leiche am Flussufer gefunden habe. Wenig später wurde die Polizei alarmiert. Der ruhige Abend am Tweed River verwandelte sich in den Beginn eines Ermittlungsfalls, der die Region noch lange beschäftigen sollte.
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| Die Leiche von Tumbulgum John Doe wurde am Ufer des Tweed River bei Tumbulgum in der Tweed-Byron-Bay-Region entdeckt. Foto: Google Maps |
Polizei erreichte den Leichenfundort
Als die Polizei kurze Zeit später eintraf und den Inhalt überprüfte, wurde schnell klar, dass sich in dem Sack tatsächlich menschliche Überreste befanden. Der Bereich am Flussufer wurde abgesperrt und die Kriminaltechniker sicherten den Fundort. Die ruhige Flusslandschaft wurde für Stunden zur Kulisse eines Tatorts – und zu einem neuen Rätsel in der wachsenden Liste ungeklärter Todesfälle der Tweed-Byron-Bay-Region. Der Sack samt Inhalt wurde nach den kriminaltechnischen Maßnahmen geborgen und zum zuständigen Rechtsmediziner des Court of New South Wales transportiert.
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| Die australische Polizei führte am Ufer des Tweed River und in der Umgebung umfangreiche Ermittlungen durch. Foto: Google Maps |
Der Leichenfundort
Der Leichenfundort befand sich am Ufer des Tweed River bei Tumbulgum, in der Tweed/Byron-Bay-Region. Laut Berichten zufolge wurde der Sack mit dem Leichnam dort angespült oder blieb hängen, nachdem er im Fluss getrieben war. [Anm. Der Tweed River bildet die natürliche Grenze zwischen den australischen Bundesstaaten New South Wales und Queensland. Er schlängelt sich durch Mangrovenwälder, Schilf und abgelegene Uferzonen, die nur von kleinen Bootsstegen, Anglern oder vereinzelten Spaziergängern genutzt werden. Tagsüber wirkt die Gegend offen und freundlich. Nach Sonnenuntergang jedoch verwandelt sich der Fluss in eine dunkle, stille Schneise – ein Ort, an dem Bewegungen leicht übersehen werden und Geräusche im Wind verschwinden. Gerade diese Mischung aus Zugänglichkeit und Abgeschiedenheit macht den Tweed River zu einem Ort, der nicht nur Erholungssuchende anzieht.]
Der Fundort lag im Flussabschnitt zwischen der Dulguigan Road und dem Tweed Valley Way. Die Dulguigan Road verläuft westlich des Tweed River und verbindet Tumbulgum mit den westlich gelegenen Gebieten. Der Tweed Valley Way ist die Hauptverbindungsstraße [ehemals Pacific Highway], die südlich an Tumbulgum vorbeiführt.
Außerdem befindet sich der Riverside Drive in unmittelbarer Nähe zum Leichenfundort.
Der Riverside Drive ist die Hauptstraße direkt am Flussufer innerhalb des Dorfes Tumbulgum, an der sich auch das Tumbulgum Tavern befindet. Da der Fischer den Fund am Abend direkt in diesem Pub meldete, liegt die Fundstelle in fußläufiger Distanz zum Riverside Drive.
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| Byron Bay ist etwa 60 Kilometer von Tumbulgum entfernt. Foto: Google Maps |
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| Hier wurde die Leiche von Tumbulgum John Doe im November 2012 entdeckt. Foto: Google |
Die Autopsie
Die Autopsie wurde von dem zuständigen Rechtsmediziner des Court of New South Wales durchgeführt. Die forensische Untersuchung zeigte, dass es sich bei der Leiche in der Tasche um ein männliches Opfer handelt.
Die Leiche befand sich in einem Zustand, der eine schnelle Identifizierung unmöglich machte. Feuchtigkeit, Zeit und mögliche Einwirkung von Tieren hatten die Spuren verwischt. Auch die genaue Todesursache konnte ebenfalls aufgrund des Zustandes der Leiche nicht mehr festgestellt werden. Es konnten keine auffälligen Verletzungen am Leichnam festgestellt werden. Die forensischen Untersuchungen haben ergeben, dass Tumbulgum John Doe bei seiner Entdeckung etwa ± zwei Wochen tot war. Auch die Liegezeit im Wasser beträgt ± zwei Wochen. Das bedeutet, dass die Leiche von Tumbulgum John Doe nach seinem Tod recht zügig im Tweed River entsorgt wurde. Im Körper von Tumbulgum John Doe wurden geringe Spuren von Alkohol gefunden, was darauf hindeuten könnte, dass er in einer örtlichen Kneipe getrunken hat, mit anderen Personen an einem noch unbekannten Ort getrunken hat oder Alkohol in der Nähe des Fundorts der Leiche gekauft hat.
Aufgrund der Auffindesituation und der Gesamtumstände wurde der Fall als verdächtig eingestuft, da die Art der Ablage nicht mit einem natürlichen Tod vereinbar schien.
Was ist noch über Tumbulgum John Doe bekannt?
- Tumbulgum John Doe wurde am 24. November 2012 am Ufer des Tweed River bei Tumbulgum in der Tweed-Byron-Bay-Region entdeckt.
- Der Mann ist von kaukasischer Abstammung.
- Der Mann war zum Zeitpunkt seines Todes zwischen 50 und 70 Jahre alt.
- John Doe ist etwa 1,63 m groß und von schlanker Statur.
- Er hat graues Haar, das mit einem blauen Band zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden war.
- Tumbulgum John Doe trug bei seiner Entdeckung lediglich eine orange-blaue Unterhose.
- Er hatte keine Zähne und trug vermutlich eine Vollprothese. Eine Identifizierung über die Zähne war somit nicht möglich.
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| Die orange-blaue Unterhose von Tumbulgum John Doe. Foto: Polizei |
Die Tasche
Möglicherweise könnte der Sack bei der Identifizierung von Tumbulgum John Doe helfen. Außerdem könnte der Sack zu der Person oder den Personen führen, die direkt in diesen Fall involviert sind. Die Leiche von Tumbulgum John Doe lag in einem maßgefertigten Schlafsack aus indischer Baumwolle. Der blau-cremefarbene karierte Schlafsack ist einzigartig und handgefertigt. Er hat die Maße ca. 60cm x 165 cm.
Man darf den Schlafsack nicht mit einem handelsüblichen Schlafsack vergleichen, denn der Sack sieht wie ein Schlafsack aus, ist aber nicht mit Daunen, sondern mit Baumwolle. Das Material ist jedoch robuster als ein Bettlaken.
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| Der Schlafsack aus indischer Baumwolle, in dem Tumbulgum John Doe gefunden wurde. Foto: Polizei |
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| Der blau-cremefarbene karierte Stoff des Schlafsacks. Foto: Polizei |
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| Der Schlafsack nach dem Öffnen mit dem Blick auf die orange-blaue Unterhose von Tumbulgum John Doe. Foto: Polizei |
Die Ermittlungen
Die Polizei führte umfangreiche Ermittlungen über die Landesgrenzen hinweg durch. Der Fluss liegt in einer Region, die täglich von Reisenden, Saisonarbeitern und Backpackern durchquert wird, deshalb konzentrierte sich die Polizei zunächst auf die Hippie-Kommunen und Hare-Krishna-Camps in der Nähe von Byron Bay. Diese Kommunen und Camps ziehen eine bestimmte Art von Reisenden an, die ein unstetes Leben führen und nicht unbedingt andere über ihre Bewegungen informieren. Diese Kommunen sind Orte, an denen die Menschen ein paar Monate verbringen und dann weiterziehen können. Aber dies führte letztendlich nicht zu dem erhofften Ergebnis.
Parallel zu den Ermittlungen rund um die Kommunen und Camps in der Nähe von Byron Bay wurden alle Vermisstenmeldungen von
New South Wales und Queensland überprüft. Anschließend wurden auch alle Vermisstenmeldungen in den nationalen Datenbanken überprüft. Leider gab es keine Übereinstimmung. Auch internationale Hinweise wurden in Betracht gezogen, da die Region für ausländische Besucher ein Magnet ist.
Doch trotz forensischer Analysen und öffentlicher Aufrufe blieb die Identität des Opfers ungeklärt.
Einige Ermittler vermuteten, dass es sich bei Tumbulgum John Doe um eine Person handeln könnte, die nicht aus der Region stammte und deren Verschwinden möglicherweise nie offiziell gemeldet wurde. Wer in dieser Tweed-Byron-Bay-Region verschwindet, wird nicht immer sofort als vermisst gemeldet. Das Opfer könnte aus einem anderen Land oder Bundesstaat stammen – ohne Familie in der Nähe, ohne jemanden, der nachfragt.
Die Gesichtsrekonstruktion
Im Jahr 2021 nutzte die Polizei von New South Wales eine Technologie der Universität Dundee in Schottland, um eine digitale 3D-Gesichtsrekonstruktion zur Unterstützung der Identifizierung zu erstellen. Durch diese Gesichtsrekonstruktion erhoffte man sich neue Hinweise auf die Identität von Tumbulgum John Doe.
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| Die Gesichtsrekonstruktion von Tumbulgum John Doe der Universität Dundee in Schottland. Foto: Polizei |
Die Theorien
Der Identität und die Umstände von Tumbulgum John Doe sind weiterhin ungeklärt. Trotzdem gibt es einige Theorien darüber, was mit ihm passiert sein könnte. Auf diese Theorien möchte ich nun ausführlich eingehen.
1. Theorie "Unfall oder Suizid – mit späterer Vertuschung"
Ist Tumbulgum John Doe verunglückt oder hat er sich das Leben genommen? Und wurde dies später vertuscht?
Diese Theorie ist zwar weniger verbreitet, aber sie wird trotzdem immer wieder diskutiert.
Bei dieser Theorie geht man davon aus, dass der Tod von Tumbulgum John Doe nicht durch Fremdeinwirkung geschah. Jemand habe später den Körper in einer Tasche abgelegt – aus Angst, Schuld oder Panik.
Doch das Verpacken der Leiche spricht gegen einen spontanen oder panischen Umgang mit einem tragischen Unfall. Deshalb wird diese Theorie als weniger wahrscheinlich eingeschätzt.
2. Theorie "Natürlicher Tod mit nachträglicher Manipulation"
Ist Tumbulgum John Doe auf natürliche Weise gestorben und sollte dies vertuscht werden?
Die Theorie eines natürlichen Todes mit anschließender Manipulation des Leichnams wurde im Zuge der Ermittlungen berücksichtigt, da sie in einzelnen Fällen als Erklärung für ungewöhnliche Auffindesituationen herangezogen wird. In diesem Szenario wäre Tumbulgum John Doe nicht durch äußere Gewalteinwirkung ums Leben gekommen, sondern infolge eines medizinischen Ereignisses oder eines sonstigen natürlichen Todes, etwa durch einen plötzlichen Kollaps. Denkbar wäre, dass sich der Tod in einem privaten oder halböffentlichen Umfeld ereignete – beispielsweise in einer Unterkunft, einem Fahrzeug oder im Beisein einer oder mehrerer Personen. Aus Angst vor strafrechtlichen Konsequenzen, rechtlichen Problemen oder aus persönlicher Überforderung hätte sich eine beteiligte Person dazu entschlossen, den Leichnam nicht den Behörden zu melden, sondern eigenständig zu beseitigen.
In diesem Zusammenhang wurde angenommen, dass der Körper nach Eintritt des Todes in die Tasche oder den Sack gelegt wurde, um ihn unauffällig transportieren zu können. Der Tweed River kommt in diesem Szenario als Ablageort in Betracht, da abgelegene Uferbereiche eine gewisse Anonymität bieten und Wasser sowie Schlamm geeignet sind, um Spuren zu verwischen.
3. Theorie "Gewaltverbrechen und gezielte Entsorgung"
Ist Tumbulgum John Doe Opfer eines Gewaltverbrechens geworden?
Die häufigste Annahme ist, dass Tumbulgum John Doe getötet und anschließend im Tweed River entsorgt wurde. Die Tasche deutet auf eine bewusste Handlung hin. In dieser Theorie wurde das Opfer an einem anderen Ort getötet, anschließend transportiert und am Fluss abgelegt.
Die Tasche könnte genutzt worden sein, um den Körper unauffällig zu transportieren, Spuren zu verwischen oder den Fundort vom eigentlichen Tatort zu trennen.
Der Tweed River wäre in diesem Szenario bewusst gewählt worden, da Wasser und Schlamm forensische Spuren zerstören können. Auch könnte der Tweed River als Ablageort gewählt worden sein, um durch eine längere Liegezeit im Wasser auch die Identifizierung erschwert wird.
Einige Ermittler vermuteten, dass der Tod von Tumbulgum John Doe nicht am Tweed River eintrat. Das Gebiet könnte lediglich der letzte Punkt einer Kette gewesen sein – leicht zugänglich, aber schwer zu überwachen. Die Leiche könnte in einem Fahrzeug transportiert und später am Ufer abgelegt worden sein. Der Fundort wäre demnach lediglich eine "Endstation" und nicht der Tatort.
Fazit:
Auf Grundlage der bekannten Fakten und der öffentlich zugänglichen Ermittlungsergebnisse habe ich die einzelnen Theorien überprüft.
Meine nachfolgende Bewertung erfolgt unter Berücksichtigung der Auffindesituation, des Zustands der Leiche sowie des Ablageortes.
Für mich kommt ein Unfalltod am Tweed River nicht in Frage, da die Auffindung der Leiche in einer Tasche bzw. einem Sack gegen ein unbeabsichtigtes Ertrinken oder einen sonstigen natürlichen Todesfall spricht. Es liegen keine Hinweise darauf vor, dass der Körper nach einem Unfall eigenständig oder zufällig in diese Form der Verpackung gelangt sein könnte.
Auch ein Suizid kommt für mich nicht in Frage, da er nach derzeitigem Kenntnisstand nahezu ausgeschlossen werden kann. Es bestehen keine Anhaltspunkte für eine entsprechende Motivlage. Die Art der Auffindung setzt Handlungen voraus, die nicht mit einem eigenständig herbeigeführten Tod vereinbar sind. Außerdem wurden keine äußere Verletzungen gefunden, die für eine Selbsttötung sprechen würden. Auch bei der toxikologischen Untersuchung wurden beispielsweise Medikamenten- oder Drogenrückstände gefunden, die für ein solches Szenario sprechen würden.
Die Theorie eines natürlichen Todes mit anschließender Verbringung und Ablage der Leiche halte ich zwar generell für möglich, aber nicht besonders plausibel. Der zeitliche und logistische Aufwand, den Körper zu transportieren, zu verpacken und an einem abgelegenen Flussabschnitt abzulegen, spricht gegen eine spontane Panikreaktion und deutet vielmehr auf ein strukturiertes Vorgehen hin. Bei einem natürlichen Todesfall braucht man auch keine Angst vor strafrechtlichen Konsequenzen zu haben. Wenn man den Körper verpackt und irgendwo entsorgt, drohen natürlich strafrechtliche Konsequenzen. Es könnte aber sein, dass der Körper entsorgt wurde, weil man die Beerdigungskosten nicht tragen will oder kann. Dies kommt zwar nicht oft vor, aber ich wollte es zumindest erwähnen. Dies ändert jedoch nichts an meiner Meinung.
Ich persönlich halte die Theorie eines vorsätzlichen Tötungsdelikts mit Ablage am Tweed River für das wahrscheinlichste Szenario. In diesem Fall wäre der Tweed River nicht der Tatort, sondern der Ablageort. Die Verpackung der Leiche, die Wahl eines schlecht einsehbaren, aber gut erreichbaren Uferabschnitts sowie das Fehlen einer Identität des Opfers stützen diese Einschätzung.
Nach Abwägung aller bekannten Fakten spricht die Gesamtlage mit hoher Wahrscheinlichkeit für ein Gewaltverbrechen, bei dem der Leichnam nach dem Tod gezielt entsorgt wurde. Ziel dieser Handlung dürfte die Verzögerung oder Verhinderung einer Identifizierung sowie die Trennung von Tatort und Auffindeort gewesen sein. Die Aufklärung des Falls wird maßgeblich durch die zwei zentralen Faktoren [ungeklärte Identität des Opfers/der unbekannte ursprüngliche Tatort] deutlich erschwert. Solange diese Punkte nicht geklärt sind, kommt man in dem Fall nicht weiter. Für die Aufklärung des Falls bleiben einfach entscheidende Fragen des Falls weiterhin unbeantwortet:
- Wer war Tumbulgum John Doe?
- Die fehlende Identität bleibt weiterhin das größte Rätsel des Falls.
- Wie starb Tumbulgum John Doe wirklich?
- Wo starb Tumbulgum John Doe wirklich?
- War der Tweed River Fundort oder nur Ablageort?
- Gab es Zeugen?
- Das Gebiet ist teils belebt, teils abgelegen – mögliche Beobachtungen wurden nie öffentlich bestätigt.
- Warum wurde der Körper nicht tiefer im Wasser versenkt?
- War es Eile, Unkenntnis oder ein bewusstes Risiko?
Solange diese Fragen nicht beantwortet werden können, bleibt der Fall wohl ein Cold Case. Die Polizei hat wirklich alle Ressourcen genutzt, um Tumbulgum John Doe identifizieren und den Fall aufklären zu können. Abschließend möchte ich noch sagen, dass dieser Fall exemplarisch für eine Reihe ungeklärter Todesfälle in der weiteren Byron-Bay-Region – Orte steht, an denen Menschen kommen, gehen und manchmal spurlos verschwinden oder namenlos bleiben. Ich hoffe, dass die Polizei irgendwann den entscheidenden Hinweis auf die Identität von Tumbulgum John Doe erhält.
Aktuelle Einstufung des Falls
Der Tod von Tumbulgum John Doe wurde als verdächtig eingestuft. Der Todesfall am Tweed River aus dem Jahr 2012 ist nach derzeitiger Aktenlage nicht aufgeklärt. Die vorliegenden Indizien sprechen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ein vorsätzliches Tötungsdelikt, bei dem der Leichnam nach dem Tod an einem abgelegenen Flussabschnitt abgelegt wurde. Mangels Identifizierung des Opfers und fehlender Hinweise auf den ursprünglichen Tatort konnten bislang weder Tatablauf noch Tatbeteiligte eindeutig rekonstruiert werden. Aktuell ermittelt die australische Polizei nicht aktiv in dem Fall.
Der Fall bleibt weiterhin offen und wird als Cold Case geführt.
Fragen der Ermittler:
- Wer hat zwischen Anfang und Mitte November 2012 eine Person bemerkt, die plötzlich nicht mehr erreichbar oder verschwunden war?
- Ist jemand bekannt, der sich in diesem Zeitraum auffällig zurückzog, unerwartet abreiste oder persönliche Gegenstände zurückließ?
- Ist jemand bekannt, der kurz vor November 2012 in der Region ankam und danach spurlos verschwand?
- Gab es Backpacker, Saisonarbeiter oder Reisende, die plötzlich abreisten, ohne Abschied zu nehmen oder ihre Unterkunft offiziell zu verlassen?
- Wer kann Tumbulgum John Doe anhand der Gesichtsrekonstruktion oder der Beschreibung identifizieren?
- Wer hat Tumbulgum John Doe vor dem 10. November 2012 schon einmal irgendwo gesehen?
- Wer hat am 10. November 2012 oder in den Tagen davor/danach verdächtige Beobachtungen am Tweed River gemacht?
- Sind ungewöhnliche Geräusche, Lichtquellen oder Aktivitäten in den Abend- oder Nachtstunden aufgefallen?
- Gab es Hinweise auf eine Ablage oder Verbringung eines größeren Gegenstands am Flussufer?
- Wer hat im genannten Zeitraum Fahrzeuge am Tweed River oder bei Tumbulgum gesehen, die dort untypisch oder zu ungewöhnlichen Zeiten parkten?
- Sind nächtliche Fahrten, Be- oder Entladungen von Fahrzeugen am Flussufer aufgefallen?
- Gab es Personen mit Zugang zu Booten oder Kajaks, die sich zu dieser Zeit dort aufhielten?
- Wer kann etwas zu dem handgefertigten Schlafsack sagen, indem der Leichnam gefunden wurde? Wer hat diesen Schlafsack genäht?
- Gibt es Personen, die den handgefertigten Schlafsack vor dem 10. November 2012 im Besitz einer bestimmten Person gesehen haben und deren Verbleib danach nicht mehr nachvollziehbar ist?
- Sind weitere ungewöhnliche Gegenstände [Taschen, Säcke, Planen, Seile] aufgefallen, die plötzlich verschwunden oder neu aufgetaucht sind?
- Wurden Kleidung oder persönliche Dinge unerwartet entsorgt oder ersetzt?
- Wer kennt die genauen Umstände und Hintergründe des Todes von Tumbulgum John Doe?
- Wer weiß, wer für den Tod von Tumbulgum John Doe verantwortlich sein könnte?
- Gab es Personen, die sich ungewöhnlich nervös, belastet oder verändert verhielten?
- Wer hat andere Beobachtungen oder Wahrnehmungen gemacht, die mit dem Tod von Tumbulgum John Doe in Zusammenhang stehen könnten?
- Hat jemand erst Jahre später einen Zusammenhang erkannt, der 2012 nicht relevant erschien? Auch vermeintlich unbedeutende Details können entscheidend sein. Beobachtungen, Gespräche oder Erinnerungen aus dem Jahr 2012 können heute eine neue Bedeutung haben.
- Gibt es Informationen, die aus Angst, Unsicherheit oder Loyalität bisher nicht gemeldet wurden?
- Wer hat sonstige Informationen zu diesem Fall?
Wer Hinweise zum Leichenfund am Tweed River im November 2012 hat, wird gebeten, sich an die Ermittler der New South Wales Police Force
[Tweed/Byron Police District] zu wenden.
Hinweise können bei jeder Polizeidienststelle in New South Wales abgegeben werden.
Außerdem nehmen auch die Crime Stoppers Australia unter der Rufnummer 1800 333 000 oder über das Online-Hinweisformular [anonym] der Crime Stoppers New South Wales alle Hinweise zum Fall entgegen.
Die Hinweise können vollständig anonym abgegeben werden.
Die Crime Stoppers leiten relevante Informationen direkt an die ermittelnden Behörden weiter. Eine Belohnung ist für diesen Fall bislang nicht ausgesetzt, dennoch wird jeder Hinweis geprüft.











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