COLD CASE DER WOCHE: Tötungsdelikt z. N. von Anders Gustafsson (1995)
Der Mord an Anders Gustafsson
Die Polizei braucht Hilfe bei der Aufklärung des Mordes an Anders Gustafsson.
Wenn Sie über Informationen verfügen, die Sie der Polizei zuvor nicht mitgeteilt haben, wenden Sie sich an die Cold Case Group der schwedischen Polizei unter der Rufnummer 114 14. Bitten Sie um ein Gespräch mit dem Polizeikontaktzentrum [PKC] für ungeklärte Fälle in der Polizeiregion Stockholm.
Hinweise können auch per E-Mail abgegeben werden.
Wer hat Anders Gustafsson ermordet?
Im heutigen Beitrag geht es um den neuen "Cold Case der Woche". Ich möchte diese Woche einen besonderen Fokus auf einen schwedischen Cold Case aufmerksam machen. Der Fall ereignete sich in der Silvesternacht 1994–1995 im alten Fryshuset in Stockholm. Der Mord ereignete sich in Stockholm im Stadtteil Södermalm im Wohn- und Hafengebiet Norra Hammarbyhamnen, Schweden. Bis heute konnte der Fall nicht aufgeklärt werden.
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| Der Mord an Anders Gustafsson ist seit 1995 ungeklärt. Wer hat Anders Gustafsson ermordet? Foto: Privat/Polizei |
Der Fall Anders Gustafsson
Anders Gustafsson wurde im Jahr 1978 als Sohn von Lilian Gustafsson in Stockholm geboren. [Über den Vater ist leider nichts bekannt.] Anders Gustafsson wuchs bei seiner Mutter Lilian in Solna in der Provinz Stockholms län auf. Anders war Einzelkind.
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| Anders Gustafsson wuchs als Einzelkind bei seiner Mutter Lilian auf. Foto: Privat |
[Anm. Solna ist eine Gemeinde in der schwedischen Provinz Stockholms län und der historischen Provinz Uppland. Solna grenzt an Stockholm und die Gemeinden Sundbyberg, Sollentuna und Danderyd. Die gesamte Gemeinde ist ein Teil der Provinz Stockholms län. Innerhalb von Solnas befinden sich Teile der Seen Brunnsviken und Edsviken. Traditionell gliedert sich die städtisch geprägte Gemeinde in die Ortsteile Bergshamra, Haga, Hagalund, Huvudsta, Järva, Råsunda, Skytteholm und Ulriksdal. Die Untergliederung hat jedoch keine verwaltungsbedingte Funktion. Die Gemeinde Solna hat 85.450 Einwohner.]
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| Anders Gustafsson lebte gemeinsam mit seiner Mutter Lilian in Solna in der Provinz Stockholms län, Schweden. Foto: Google Maps |
Interesse an Musik
Anders Gustafsson galt als freundlich, hilfsbereit, offen und zuverlässig. Seine Mutter konnte sich immer auf ihn verlassen und er hielt sich an alle Absprachen, die er mit seiner Mutter ausmachte.
Anders Gustafsson hatte bereits seit seiner Kindheit ein ausgeprägtes Interesse an Musik, insbesondere an Hardrock. Er spielte leidenschaftlich gerne E-Gitarre in einer Band.
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| Anders Gustafsson spielte leidenschaftlich gerne E-Gitarre in einer Band. Foto: Privat |
Jugendzentrum Fryshuset
Im Jahr 1994 war Anders Gustafsson 16 Jahre alt und oft mit seinen Freunden unterwegs gewesen. Seine Freunde besuchten regelmäßig das Jugendzentrum der Organisation Fryshuset im Wohn- und Hafengebiet Norra Hammarbyhamnen, im Stockholmer Stadtteil Södermalm.
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| Die Karte zeigt die Lage des Jugendzentrum Fryshuset im Jahr 1994/95 und heute. Foto: Google Maps |
[Anm. Fryshuset ist eine gemeinnützige schwedische Organisation, die politisch und religiös unabhängig ist. Fryshuset wurde im Herbst 1984 in einem heruntergekommenen Tiefkühllager in Norra Hammarbyhamnen in Stockholm gegründet.
Ziel der Organisation ist es, allen jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, durch ihre Leidenschaften die Welt zu verändern. Fryshuset führt Aktivitäten für und mit jungen Menschen in den Bereichen Schule, Jugendkultur, Arbeit und Unternehmertum sowie Vorbild und Glaube an die Zukunft durch. Fryshuset richtet sich an alle jungen Menschen und konzentriert sich insbesondere auf diejenigen, die isoliert leben. Der leidenschaftliche Sozialarbeiter Anders Carlberg wurde beauftragt, einen Raum zu finden, der als Basketballhalle fungieren und alle Kinder und Jugendlichen in Södermalm zusammenbringen könnte, die Basketball spielen wollten. Das alte Tiefkühllager stand leer und man begann mit der Renovierung und dem Bau einer Sporthalle. Anders Carlberg fand heraus, dass es auch für viele Jugendliche, die sich mit Musik beschäftigten, an Proberäumen mangelte. Er veranlasste daher den Bau von 50 Proberäumen im Gebäude und brachte ABF (Arbeiterbildungsvereinigung, Studentenvereinigung) mit, damit in Studienkreisen Musikaktivitäten durchgeführt werden konnten. Die Tatsache, dass Fryshuset zu einem Zentrum für junge Musiker wurde, kann als Zufall angesehen werden, zeigt aber auch deutlich den Weg, den Fryshuset eingeschlagen hat, nämlich auf die Bedürfnisse junger Menschen einzugehen.
Fryshuset begann auch recht schnell mit jungen Menschen in verschiedenen Formen der Ausgrenzung zu arbeiten, darunter auch mit Skinheads und Neonazis. Ziel war es, die Gewalt zu reduzieren, die sie in der Stockholmer Innenstadt ausübten. Dies führte zu massiver Kritik. Die Organisation Fryshuset blieb standhaft und behauptete, dass Kontakte und Beziehungen eine Voraussetzung seien, um destruktive junge Menschen positiv beeinflussen zu können.] Der Vorfall
Im Jugendzentrum Fryshuset traf sich im Jahr 1994 auch eine große Gruppe von Skinheads und Neonazis. Die Skinheads hatten in dem großen Gebäude sogar ein eigenes Clubhaus "Höder Dart".
Anders Gustafsson war in der Vergangenheit schon ein paar Mal im Jugendzentrum Fryshuset gewesen, um Musik zu hören. Er teilte ihre Ansichten nicht, nur ihr Interesse an der Musik hatte sie zusammengebracht. Nach einem Vorfall im März 1994 ging er dort nicht mehr hin. Als der besagte Vorfall passiert ist, war Anders Gustafsson mit einem Freund dort gewesen. Skinheads hatten seinem Freund unter Zwang den Kopf rasiert. Danach wollte Anders nicht mehr dorthin gehen. Seiner Mutter Lilian gegenüber sagte er nur, dass es dort einfach zu laut für ihn war.
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| Anders Gustafsson besuchte nach einem Vorfall das Jugendzentrum Fryshuset und das Skinhead-Clubhaus Höder Dart nicht mehr. Foto: Privat |
Silvester 1994
Der 16-jährige Anders Gustafsson verbrachte den Silvesterabend 1994 mit seinen Freunden. Anders und seine Freunde besuchten verschiedene Partys in verschiedenen Teilen der Stadt. Er und seine Freunde waren zunächst in Täby und gingen dann nach Åkersberga. Die Party in Åkersberga war chaotisch, also entschieden sie sich, weiter zum Jugendzentrum Fryshuset und Clubhaus Höder Dart in Norra Hammarbyhamnen in Stockholm-Södermalm zu gehen. Der 16-jährige Anders Gustafsson war am Silvesterabend eigentlich nur zum Clubhaus Höder Dart, auch Fryshuset genannt, mitgegangen, um dort ein Versprechen bezüglich einer Demoaufnahme zu besprechen. Anders Gustafsson und seine Freunde besuchten dann die Neujahrsparty im Skinhead-Clubhaus Höder Dart in Norra Hammarbyhamnen.
[Anm. Das Clubhaus Höder Dart befand sich 1994 bei Danviksbro an der Ostspitze von Södermalm.] Er war zusammen mit 70-80 anderen jungen Leuten auf einer Party im berüchtigten Skinhead-Club Höder Dart im Stockholmer Hafengebiet gewesen.
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| Das Skinhead-Clubhaus Höder Dart befand sich beim Jugendzentrum Fryshuset in Norra Hammarbyhamnen. Foto: Google Maps |
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| Das ist das Gebäude des Jugendzentrum Fryshuset und des Skinhead-Clubhaus Höder Dart in Norra Hammarbyhamnen. Hier fand auch die Neujahrsparty statt. Foto: Google |
Anruf bei Lilian Gustafsson
Am 1. Januar 1995 um 0.30 Uhr hatte Anders Gustafsson seine Mutter Lilian von dem Festnetztelefon des Clubhauses Höder Dart angerufen. Er hatte seiner Mutter ein frohes neues Jahr gewünscht. Anders hatte gesagt, dass er vielleicht bei einem Freund in Solna übernachten würde. Mutter Lilian, die zu dem Zeitpunkt bei einem Neujahrsessen auf Färingsö außerhalb von Stockholm war, hatte ihren Sohn dazu gedrängt, trotzdem nach Hause zu gehen und dort zu schlafen.
Das Verschwinden
Anders Gustafsson soll die Party im Clubhaus Höder Dart in Norra Hammarbyhamnen kurz nach dem Gespräch mit seiner Mutter verlassen haben. In den frühen Morgenstunden des 1. Januar 1995 wollten die Freunde von Anders Gustafsson gegen 1.30 Uhr die Party verlassen, um sich auf dem Heimweg zu machen. Die Freunde können Anders Gustafsson in dem Gebäude nicht finden und vermuten, dass er schon allein nach Hause gegangen ist.
Die Suche
Als Lilian Gustafsson am 1. Januar 1995 in ihre Wohnung in Solna kommt, ist sie leer. Anders ist nicht zu Hause, deshalb hat Lilian Gustafsson bei dem Freund angerufen, mit dem Anders unterwegs gewesen ist und bei dem er übernachten wollte. Mit erschrecken musste Lilian Gustafsson feststellen, dass Anders nicht bei seinem Freund übernachtet hat. Der Freund hatte geglaubt, dass Anders alleine nach Hause gegangen ist. Er und ein anderer Freund hatten Lilian Gustafsson angeboten, ihr bei der Suche nach Anders zu helfen. Lilian Gustafsson nahm das Angebot an.
Straße blockiert
Lilian Gustafsson und die Freunde von Anders brechen gemeinsam auf, um nach Anders zu suchen. Gemeinsam gehen sie in Richtung Norra Hammarbyhamnen, wo gerade ein altes Salzlager neben dem Fryshuset abgerissen wird, um Platz für moderne Wohnungen zu schaffen. Doch sie schaffen es nicht bis zu ihrem eigentlichen Ziel, weil die Straße blockiert ist.
Bei der Polizei als vermisst gemeldet
Lilian Gustafsson wollte sich nicht von den Barrikaden aufhalten lassen. Sie steigt dann einfach über die Barrikaden und wird dabei von einer Polizistin beobachtet. Die Polizistin lief zu Lilian und stoppte sie. Lilian Gustafsson stellte sich der Polizistin vor und erzählte ihr, dass sie nach ihrem Sohn suchen würde. Die Polizistin bittet Lilian Gustafsson und die Freunde von Anders, mit zu dem Streifenwagen zu kommen. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Polizei wahrscheinlich schon eins und eins zusammengezählt. Die Polizistin bittet die drei, sich in den Streifenwagen zu setzen und zu warten. Die Polizistin hatte über Funk mit den Kollegen gesprochen, aber Lilian Gustafsson konnte nichts von dem Gespräch verstehen. Als die
Polizistin wieder zum Streifenwagen kommt, sagt Lilian Gustafsson fast zufällig, dass ihr Sohn wahrscheinlich bei Verwandten ist. Die Polizistin reagierte nicht auf Lilian Gustafsson und verließ wieder den Streifenwagen, um draußen mit ein paar Kollegen zu sprechen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Lilian Gustafsson noch keinen Zusammenhang zwischen den Polizeiabsperrungen und dem Verschwinden ihres Sohnes hergestellt. Ihr wurde zwar gesagt, dass die Polizei einen toten Mann gefunden hatte, aber Anders war ja schließlich noch ein Kind. Außerdem war Anders nicht tot, sondern er wurde nur vermisst.
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| Die Straße rund um das alte Salzlager im Hafengebiet Norra Hammarbyhamnen war am 1. Januar 1995 abgesperrt. Foto: Google |
Lilian Gustafsson und die zwei Freunde von Anders waren in der Zwischenzeit wieder aus dem Streifenwagen ausgestiegen. Die Polizei bittet die drei jedoch, wieder ins Fahrzeug zu steigen und dort zu warten. Doch während sie dort saßen, stellte der Freund von Anders Gustafsson fest, dass sie der Polizei keine Informationen hinterlassen haben. Er steigt aus dem Auto und geht noch einmal auf die Polizei zu, um ihnen zu sagen, wie Anders am Abend zuvor angezogen war. Anschließend steigt er wieder ins Fahrzeug.
Es vergeht eine lange Zeit und draußen beginnt es bereits dunkel zu werden. Als sich die Polizei sich dem Streifenwagen näherte, spürte Lilian Gustafsson plötzlich, dass etwas nicht stimmte. Die Polizei teilte Lilian Gustafsson und den Freunden von Anders mit, dass Anders tot ist.
Die Entdeckung
In den Mittagsstunden des 1. Januar 1995 hatte ein Bauarbeiter eine schreckliche Entdeckung gemacht.
Er hatte die Leiche des 16-jährigen Anders Gustafsson in einem offenen Lagergebäude, einem ehemaligen Salzlager, unweit vom Jugendzentrum Fryshuset, in Norra Hammarbyhamnen in Stockholm-Södermalm aufgefunden. Damals hieß der Ort "Kajplats 314", wurde aber inzwischen in "Kajplats 311" geändert. [Anm. Liegeplatz 314 bzw. 311.] Der Bauarbeiter alarmierte die Strafverfolgungsbehörden über seine Entdeckung.
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| Der Leichenfundort im Lagergebäude des alten Salzlagerhauses in Norra Hammarbyhamnen. Genau hier wurde die Leiche von Anders Gustafsson entdeckt. Foto: Google Maps |
Polizei erreichte Leichenfundort
Als die Polizei den Leichenfundort erreicht hatte, nahmen sie umgehend die Arbeit auf. Der Leichenfundort wurde großflächig abgesperrt. Die Kriminaltechniker sicherten alle Spuren und Beweise. Die Ermittler schauten sich zunächst die Leiche an und stellten fest, dass der Körper schwer verstümmelt war. Die Polizisten, die als erstes am Leichenfundort eintrafen, vermuteten zunächst, dass das Opfer mit einem Bagger überfahren worden sein könnte. Die Ermittler behandelten den Fall zunächst als Unfall. Die Leiche wurde später für weitere Untersuchungen in das Rechtsmedizinische Institut Stockholm gebracht.
Die Obduktion
Bei der Obduktion durch den zuständigen Rechtsmediziner konnte festgestellt werden, dass Anders Gustafsson Opfer eines Gewaltverbrechens geworden ist und nicht, wie zunächst angenommen, Opfer eines Unfalls war. Der Rechtsmediziner betonte, dass der 16-jährige Anders Gustafsson Opfer eines sehr brutalen Mordes geworden ist. Der Kopf war schweren Gewalteinwirkungen ausgesetzt. Er erlitt ein schweres Schädeltrauma durch stumpfe Gewalteinwirkung. Und das war auch die Todesursache. Anders Gustafsson wurde zu Tode geprügelt. Vermutlich waren mehr als nur eine Person an der Tat beteiligt gewesen.
Der Rechtsmediziner stellte außerdem fest, dass die rechte Hand fehlte. Die abgetrennte Hand war zunächst spurlos verschwunden.
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| Wer hat Anders Gustafsson ermordet und warum musste er sterben? Foto: Privat |
Die Ermittlungen
Zunächst befragten die Ermittler Lilian Gustafsson und die Freunde von Anders Gustafsson, die mit ihm zusammen am Silvesterabend mit ihm unterwegs waren. Sie erzählten den Ermittlern, dass sie gemeinsam auf der Party im berüchtigten Skinhead-Clubhaus Höder Dart in Norra Hammarbyhamnen gewesen sind und Anders kurz nach Mitternacht das Clubhaus verlassen hatte. Die Freunde erzählten, dass sie gegen 1.30 Uhr die Party verlassen wollten und Anders Gustafsson spurlos verschwunden war. Sie sagten, dass sie alle vermutet haben, dass Anders bereits alleine nach Hause gegangen ist und sie dann auch die Party verlassen haben. Was danach mit Anders Gustafsson passiert ist, ist unklar. Die Ermittler wissen nur, dass er ermordet wurde. Natürlich ermittelte die Polizei auch im Skinhead-Clubhaus Höder Dart und befragte dort viele Personen, aber auch das brachte die Ermittler nicht weiter.
Der Fall wurde schnell kalt
Die schwedischen Strafverfolgungsbehörden kamen in dem Fall nicht weiter. Irgendwann gab es keine neuen Hinweise und Ermittlungsansätze mehr und der Fall wurde kalt. Die Ermittlungen wurden dann eingestellt. Sie wollten den Fall zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal untersuchen.
Die Festnahme
Im Jahr 2006 kam wieder Bewegung in den Fall. In den Medien war zu lesen, dass am 21. März 2006 ein 41-jähriger Mann von der Kriminalpolizei Stockholm festgenommen wurde, der in Verdacht steht, am 1. Januar 1995 in Norra Hammarbyhamnen den 16-jährigen Anders Gustafsson brutal ermordet zu haben. Der Mann hat die Tat die ganze Zeit bestritten. Letztendlich konnte man ihm die Tat nicht nachweisen. Die Polizei hat den Mann offiziell von der Liste der Verdächtigen gestrichen.
Die Polizei suchte nach verschwundenen Körperteil
Im Jahr 2006 war die schwedische Polizei hochmotiviert, den Fall endlich aufzuklären. Sie nutzen alle Ressourcen, die bei der Aufklärung helfen könnten. Die Polizei suchte auch nach dem verschwundenen Körperteil von Anders Gustafsson. Im Mai 2006 wurden in der Nähe des Leichenfundortes in Norra Hammarbyhamnen mehrere Tauchgänge im Hafen durchgeführt, in der Hoffnung, die Hand zu finden.
Die Polizei hat nach Skelettteilen und Gegenständen gesucht, die möglicherweise bei dem Mord verwendet wurden. Dies geschah auf der Grundlage von Hinweisen und Informationen, die sie bei der Untersuchung erhalten haben. Leider verliefen die Suchmaßnahmen ohne Ergebnis und die Ermittlungen wurden erneut eingestellt.
Bauarbeiter machte angeblich makabren Fund
Im Juli 2018 kam dann wieder Bewegung in dem Fall. Im Juli 2018 wurden Abrissarbeiten am alten Straßenbahnmuseum in Norra Hammarbyhamnen gemacht. Ein Bauarbeiter, der dort arbeitete, hatte die Behörden kontaktiert, nachdem er etwas gefunden hatte, das er als Hand in einer Plastiktüte bezeichnete.
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| Im Eisenbahnmuseum wurde angeblich ein Körperteil gefunden. Foto: Google |
Aber dann bekam der Bauarbeiter Angst, ließ alles fallen und rannte raus. Dann konnte er den Weg nicht zurückfinden, wo er die Tüte gefunden und fallen gelassen hatte. Mittlerweile hat die Cold-Case-Gruppe die Ermittlungen in dem Fall übernommen. Die Polizei hatte das große Gelände mit vielen Ecken und Winkeln gründlich durchsucht, aber die Hand konnte nicht gefunden werden. Es gibt auf dem Gelände viele verschiedene Räume, es ist dunkel, es gibt viel Schutt, Kleidung und Tierkadaver. Die Bedingungen sind sehr schwierig. Es geht nicht nur darum, das Gelände mit einem Leichenspürhund zu durchsuchen. Die Polizei stuft den Bauarbeiter und seine Geschichte als glaubwürdig ein. Er hat eine gute Beschreibung gegeben und aus diesem Grund gäbe es laut der Polizei zufolge keinen Grund, ihm nicht zu glauben. Die Polizei glaubt, dass es sich um die abgetrennte Hand von Anders Gustafsson handeln könnte.
Erneute Suchmaßnahmen nach verschwundenen Körperteil
Die Polizei hat danach das Gelände des Eisenbahnmuseums mehrfach systematisch abgesucht. Die Suchmaßnahmen mussten mehrmals aufgrund von Asbest in den Räumlichkeiten unterbrochen werden. Letztendlich hat die Polizei auf dem Gelände nichts gefunden, was mit dem Fall Anders Gustafsson in Zusammenhang steht. Damit hat sich der Fall nicht einen Schritt weiter nach vorne bewegt. Die Suchmaßnahmen wurden dann ergebnislos wieder eingestellt.
Die Theorien
Der Mord an Anders Gustafsson ist bis heute ungeklärt, aber es gibt verschiedene Theorien darüber, was mit Anders Gustafsson passiert sein könnte. Auf diese Theorien möchte ich nun kurz näher eingehen.
1. Theorie "Rechts motivierte Straftat"
War der Mord an Anders Gustafsson, eine rechts motivierte Straftat?
Das könnte möglich sein. Das schließt zumindest die schwedische Polizei nicht komplett aus. Wie bereits erwähnt, war Anders Gustafsson an Silvester 1994/95 auf einer Neujahrsparty im Skinhead-Clubhaus Höder Dart in Norra Hammarbyhamnen in Stockholm-Södermalm. Anders Gustafsson teilte die Ansichten dieser Gruppierung in keinster Weise, aber die Leidenschaft zur Musik hatte ihn in der Vergangenheit schon mehrfach dorthin gezogen. Diese Theorie besagt, dass Anders Gustafsson gezielt von Skinheads, Neonazis oder anderen Personen aus dem rechten Spektrum angegriffen wurde, weil er ihre Ansichten nicht teilte. Vermutlich hatten diese Leute schon einige Zeit Anders Gustafsson auf ihrem Radar. Die meisten Leute glauben, dass Anders Gustafsson möglicherweise mit dem Versprechen einer Demoaufnahme gezielt zu der Party im Skinhead-Clubhaus Höder Dart gelockt wurde.
Die Verfechter dieser Theorie glauben, dass Anders Gustafsson entweder beim Verlassen des Skinhead-Clubhaus Höder Dart gezielt von der Partylocation weggelockt wurde oder zufällig auf seinen Mörder oder seine Mörder getroffen ist. Diese Person hat oder diese Personen haben ihn dann zu Tode geprügelt. Bei dieser Möglichkeit geht man davon aus, dass die rechte Hand von Anders Gustafsson abgetrennt wurde, weil er den Hitlergruß nicht machen wollte.
2. Theorie "Bekannter Täter"
Wurde Anders Gustafsson von jemandem ermordet, den er kannte?
Auch diese Theorie wurde in Betracht gezogen. Diese Theorie besagt, dass Anders Gustafsson von jemandem ermordet wurde, den er kannte. Hier ist das Motiv im persönlichen Umfeld bzw. Bereich zu finden. Hier könnte ein Streit oder Meinungsverschiedenheit der Grund für den Mord sein. Es könnte auch sein, dass der Mord eigentlich nicht geplant war, aber die Sache aus dem Ruder gelaufen ist. Hier gab es eine Vorbeziehung zwischen Täter und Opfer.
3. Theorie "Unbekannter Täter"
Wurde Anders Gustafsson von einem unbekannten Täter ermordet?
Auch diese Theorie könnte durchaus möglich sein. Bei dieser Theorie geht man davon aus, dass Anders Gustafsson beim Verlassen der Partylocation zufällig auf seinen Mörder oder seine Mörder getroffen ist. Man vermutet, dass Anders Gustafsson direkt in die Arme seines Mörders oder seiner Mörder gelaufen ist. Es könnte zunächst zu einer verbalen Auseinandersetzung gekommen sein, die dann in eine körperliche Auseinandersetzung umgeschlagen ist. Der Mörder stand oder die Mörder standen wahrscheinlich unter Alkoholeinfluss, was die Auseinandersetzung negativ beeinflusst haben könnte. Unter Alkoholeinfluss sinkt die Hemmschwelle im Allgemeinen. Vielleicht hat man sich auch gegenseitig angestachelt und eine verbale Auseinandersetzung endete schließlich mit der Tötung eines jungen Mannes. Hier gab es keine Vorbeziehung zwischen Täter und Opfer. Bei dieser Theorie vermutet man, dass Anders Gustafsson verstümmelt wurde, weil er möglicherweise DNA von einem Täter an seiner Hand befunden hatte.
Fazit:
Ich kann keine der oben genannten Theorien komplett ausschließen. Alle Theorien könnten möglich sein. Wenn ich mich auf eine der Theorien festlegen müsste, dann würde ich mich auf die erste Theorie konzentrieren. Diese Theorie ist für mich noch am plausibelsten. Man muss bedenken, dass Anders Gustafsson im Skinhead-Clubhaus Höder Dart in Norra Hammarbyhamnen Silvester feierte. Es wimmelte dort von Skinheads, Neonazis und anderen Personen aus dem rechten Spektrum. Es wurde viel getrunken und die Stimmung war aufgeheizt. Es war den meisten Leuten in dem Skinhead-Clubhaus bekannt, dass Anders Gustafsson deren Ansichten in keinster Weise geteilt hat. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass irgendwelche Leute dieser Gruppierung Anders Gustafsson eine Abreibung verpassen wollten. Die Sache könnte aufgrund des Alkoholeinflusses aus dem Ruder gelaufen sein. Die Hemmschwelle war gesunken und vielleicht hat man sich noch gegenseitig angestachelt. Es könnte aber auch sein, dass Anders Gustafsson gezielt in das Skinhead-Clubhaus Höder Dart gelockt wurde. Ich halte es auch für möglich, dass die Tat bereits im Vorfeld geplant wurde und man sich an ihn abreagieren wollte, weil er die Ansichten überhaupt nicht teilte. So oder so, muss es eine Vorbeziehung zwischen Täter und Opfer gegeben haben.
Die beiden anderen Theorien könnten auch möglich sein, aber ich persönlich glaube nicht an eine Zufallstat oder eine geplante Tat durch eine Person aus dem Umfeld von Anders Gustafsson. Ich bin von diesen beiden Möglichkeiten nicht besonders überzeugt, aber komplett ausschließen kann und möchte ich sie auch nicht. Ich möchte weiterhin offen für alle Möglichkeiten bleiben und ich lasse mich gern von einer anderen Theorie überzeugen, sofern sie logisch und realistisch erklärt wird. Habt ihr noch eine Theorie? Von welcher Theorie seit ihr überzeugt?
Ich wünsche mir wirklich, dass dieser Fall doch noch aufgeklärt wird und wir die Wahrheit über die Umstände von Anders Gustafssons Tod erfahren werden.
Die Nachwirkungen
Heute weiß Lilian Gustafsson ungefähr, was in dieser verhängnisvollen Nacht passiert ist, obwohl die letzten Puzzleteile fehlen, um den Mord an ihrem Sohn aufzuklären. Sie kämpft weiterhin um die Aufklärung des Falls. Sie glaubt fest daran, dass die Polizei den Fall irgendwann aufklären wird.
Am 9. Juli 2023 wäre Anders Gustafsson 45 Jahre alt geworden, wenn er gelebt hätte. Seit dem Tod hat Lilian Gustafsson das Buch „Ringar på vatnett“ über den Fall geschrieben, das den gleichen Namen trägt wie der Verein, den sie in den vielen Jahren, die seit dem Mord vergangen sind, auch leitete.
Am Silvesterabend 2020 löste sie den Verein „Ringar på vatnett“ auf. Man hatte sich damals für Informationen eine Belohnung von 500.000 Kronen ausgelobt, die zur Aufklärung des Falls führen.
Stattdessen ging das Geld an 44 Studenten der Solna Kulturskola und an Studenten der Solna Brass, die Anders‘ Interesse an Musik teilen.
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| Anders Gustafsson und seine Mutter Lilian Gustafsson. Foto: Privat/Google |
Aktuelle Einstufung des Falls
Der Tod von Anders Gustafsson wurde als Mord eingestuft. Aktuell wird nicht aktiv in dem Fall ermittelt. Trotzdem bittet die schwedische Polizei weiterhin um Hinweise aus der Bevölkerung, um neue Ermittlungen anzustoßen. Jeder Hinweis könnte wichtig sein. Da nun fast drei Jahrzehnte seit den Mord an Anders Gustafsson vergangen sind, könnten sich Beziehungen und andere Loyalitäten geändert haben. Dies könnte nun bewirken, dass Mitwisser oder andere Zeugen sich bei den Strafverfolgungsbehörden melden. Die schwedischen Strafverfolgungsbehörden sichern diesen Leuten Diskretion und Anonymität zu.
Fragen der Ermittler:
- Wer hat Anders Gustafsson in den frühen Morgenstunden des 1. Januar 1995 nach 0.30 Uhr im Skinhead-Clubhaus Höder Dart oder auf dem Gelände des Jugendzentrum Fryshuset gesehen?
- Wer hat Anders Gustafsson in den frühen Morgenstunden des 1. Januar 1995 nach 0.30 Uhr in Begleitung im Skinhead-Clubhaus Höder Dart oder auf dem Gelände des Jugendzentrum Fryshuset gesehen?
- Wer hat den Mord an Anders Gustafsson in den frühen Morgenstunden des 1. Januar 1995 im Bereich des Salzlager am Liegeplatz 314 ["Kajplats 314", heute "Kajplats 311"] in Norra Hammarbyhamnen in Stockholm-Södermalm beobachtet?
- Wer kennt die genauen Umstände und Hintergründe des Mordes an Anders Gustafsson?
- Wer weiß, wer für den Tod von Anders Gustafsson verantwortlich gewesen sein könnte?
- Wer hat Gerüchte über den Mord an Anders Gustafsson gehört?
- Wer hat andere Beobachtungen gemacht, die mit dem Mord an Anders Gustafsson in Zusammenhang stehen könnten?
- Wer hat sonstige Informationen zu diesem Fall?
Wenn Sie über Informationen verfügen, die Sie der Polizei zuvor nicht mitgeteilt haben, wenden Sie sich an die Cold Case Group der schwedischen Polizei unter der Rufnummer 114 14. Bitten Sie um ein Gespräch mit dem Polizeikontaktzentrum [PKC] für ungeklärte Fälle in der Polizeiregion Stockholm.
Hinweise können auch per E-Mail abgegeben werden.






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